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Neuigkeiten aus Aklon

Die Anzahl der Personen, die bei der täglichen Gnadenküche am Hintereingang des Königspalastes zu Aklonstadt Nahrungsreste zu ergattern hoffen, steigerte sich in den letzten Wochen enorm. Speziell Landbevölkerung scheint teilweise Haus und Hof zurück zu lassen und sich in der Hoffnung auf ein besseres Leben in die große Stadt aufgemacht zu haben.

Doch warum? Hat der Krieg das Land bereits erreicht? Sollte eine Invasionsarmee aklonischen Boden betreten zu haben? Die Aussagen jener armen Menschen, die beim Gedanken an die große Stadt immer nur Prunk und Reichtum, Stärke und Heiligkeit vor Augen hatten lassen sich kaum zu einem, dem einfachen Menschen verständlichen Bild vereinen.

So berichtet eine Matrone von der Westküste vom Anlanden einiger schlanker Schiffe. Vorsichtshalber gingen sie und ihre Familie fort um als Handwerker zu arbeiten. Dass jedoch die Gilden die Patente nicht jedem ausstellten war ihnen nicht bewusst. Ihr Mann, so sagt sie, habe bereits 20 Jahre als Sattler gearbeitet und ihrer Familie immer ein ordentliches Zubrot beschert und ausgerechnet hier darf er dem Handwerk nur nachgehen, wenn er sich als Lehrling einschreibt und dafür auch noch bezahlt! Nur fünf Jahre später dürfe er sich dann vielleicht einen Gesellen nennen, dass er Meister werden könnte, was er sein müsste um selbstständig zu arbeiten, stehe außer Frage, da es genug ehrliche Betriebe in diesem Bereich gäbe.

Von der Südküste sind die Berichte schreckenerregender: Ein halbes Dorf habe sich von dort fortgemacht, da es nahe ihrem Weier umgehen würde und der Herr der Ländereien dies auch noch gutheißen würde. Sie verrichteten eines Tages ihr Tagwerk als von der Küste Segel gemeldet wurden. Man erkannte mindestens ein halbes Dutzend Schiffe mit fremdartiger Takelung und seltsamen Zeichen auf den Dreieckssegeln. Es blies kaum eine Brise aber die Schiffe schoben sich, getrieben von langen Rudern vorwärts. In der Dämmerung kamen die Boote in Rufweite, doch man hörte angeblich, außer dem gleichmäßigen knarren der Ruder keinen Laut von den Schiffen, auch waren sie ohne jedes Licht unterwegs und schienen sich nicht mit um Ebbe und Flut, um Seezeichen oder Zurufe zu scheren. Also zog man sich, da es jedermann langsam mit der Angst zu tun bekam, zurück und verriegelte due Türen. Ein Läufer wurde ausgeschickt, dem Herren Grafen bescheid zu geben. Als der Läufer atemlos wiederkam musste er erst mit einem starken Branntwein aufgepäppelt werden, bevor er zu sprechen beginnen konnte. Der Graf hätte ihm versichert das alles in Ordnung sei und er uns beruhigen sollte, fürderhin sollte er uns sagen, dass wir über diese Vorkommnisse kein Wort zu verlieren hätten, es würde die anderen Dörfer nur unruhig machen. Auf dem Rückweg dann bemerkte er im Nebel einen hohen Kasten der sich auf ihn zuschob. Schnell schlug er sich in die Büsche, um den Kasten kurze Zeit später als eine Art getragene Kutsche zu erkennen. Oben drauf saß ein dicklicher Mann mit ernstem Gesicht und seltsamen Zeichen, die auf seine Wangen gemalt waren. Doch was ihn endgültig schockierte waren die Träger dieser Kutsche. Ohne jeden Laut gingen sie Schritt um Schritt voran, gekleidet wie Diener mit Tüchern um ihre Köpfe, doch mit den eingefallenen Gesichtern von Verstorbenen. Hier wandelten die Toten und dienten ihrem seltsamen Meister. Ein Meister der offenkundig unterwegs war um sich mit dem Grafen zu treffen. Noch in dieser Nacht packten viele ihre Siebensachen und am nächsten Morgen machten sie sich, ohne noch einmal einen Blick auf den Strand zu werfen auf nach Aklon-Stadt, um Sicherheit zu finden und den Priestern und den amtlichen Stellen zu berichten. Diese hatten wohl versichert, dass sich darum gekümmert werden würde...

Eine Familie aus Camberion berichtet von seltsam angetanen Waffenknechten in schillernden Farben die eines Tages auf dem Landwege über die Wilden Lande kamen. Sie nannten sich Dalomasieri, sprachen auf exotische Weise und seinen unterwegs um ihr Glück an einem Treffpunkt zu suchen, wo man tatkräftige Männer brauchen würde. Honigsüße Worte sprach ein besonders ausstaffierter, bärtiger Mann und eine Trommel rief dazu. Er besprach die jungen Männer, ob sie denn ewig hier leben wollten, ob sie denn wirklich auf den Äckern glücklich werden könnten und ob sie, wenn der Krieg der heraufziehe, sie denn nicht eh rufen würde, nicht lieber angemessenen Lohn erhalten würden wollen, als nur für das Lehen, das nichts, das ihnen all die schmutzige Arbeit beschere. Dies käme nämlich auf sie zu, wenn erst der König alle Männer zu den Waffen rufe. „Die schmutzige Arbeit“ sagte er, als ob das bestellen des Bodens nicht auch ehrbar wäre! Die älteren durchschauten ihn, doch einige junge Männer ließen sich von den Scheinen blenden, die er ihnen als ersten Sold versprach. Natürlich müssten sie zuerst als Einfachste dienen, da ihnen ja das Rüstzeug fehle, doch so etwas würde sich schon finden, spätestens nach dem ersten, natürlich siegreichen, Waffengang. Bis dahin würden sie eine gute Lehre erfahren und sollten sich behelfen mit was auch immer sie finden könnten. Am Abend wurde es richtig schlimm. Die jungen und die Waffenknechte zechten erst in der Gaststätte, konnten dann die Zeche nicht zahlen, schoben die Schuld auf den Gastwirt, der ihnen bis dahin immer ein Freund gewesen war, und zerschlugen ihm die Stube. Während dies vonstatten ging nahmen andere dieses Haufens was nicht niet- und nagelfest war. Werkzeuge, einige Schweine, Salzfleisch, sogar eine Wagen mitsamt Gespann, bunte Stoffe und mehr wurden fortgetragen. Und als sie am morgen dann endlich gingen nahmen sie unser aller Bestes mit sich fort. Ein Blick auf einige der jungen Frauen genügte um zu wissen, dass sie auch jenen, freiwillig oder unfreiwillig etwas genommen hatten. Eine Beschwerde erreichte den Hof des Lehnsherren zu spät, das Pack war fortgezogen und überhaupt: Was hätten sie denn getan? So lange genug Männer da seien, um das Lehensaufgebot zu stellen solle man sich nicht grämen, Der Krieg käme und er ernähre sich nun einmal selbst. Dieses fehlen der Gerechtigkeit veranlasste die Familie es dem Haufen nachzutun und auch nach Aklon-Stadt zu gehen, wenn schon nicht um ihren Jungen wiederzufinden, so zumindest um unter den Augen des Königs unter gerechteren Umständen zu leben.

Ein Matrose von der Südostküste, der vor kurzem von einer Handelsfahrt nach Shai-Anarat zurückkehrte erzählte folgendes: Wie ein jeder wüsste, hätte Shai-Anarat große Mühen auf sich genommen einen Riegel um das Herrschaftsgebiet von Heshrar zu legen. Jener Riegel scheint immer noch intakt zu sein. Allerdings herrschte an dem Handelspunkt den sein Schiff ansteuerte große Aufregung, da einige Karawanen, die zwischen dem Riegel und der Küste unterwegs waren niemals an ihrem Bestimmungsort ankamen. Außerdem wurde ein Fischerdorf in der Nähe komplett niedergebrannt. Die Pirogen dieses Ortes sollen wiederum verwendet worden sein um hochseetaugliche Schiffe des Sultans aufzubringen. Wie es gelingen konnte, dass mehrere Dhau durch diese flachen Schiffchen gekapert werden konnten bleibt ein Rätsel. Der Sultan wiegelte allerdings ab und erklärte bereits öffentlich, dass die Patrouillen an den Grenzen verstärkt werden würden. Mit welchen Männern bleibt jedoch ein Rätsel.