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Der Kampf um Cahir Sheveen

November 5024
Schattenelfische Flüchtlinge, die in großer Zahl nach Vuanaka strömen, berichten von grausamen Ereignissen im Norden:

Tanelinn brennt. Mit dem ersten Schnee des Herbstes legte ein koltisches Heer mit einer Flotte von 200 Schwarzen Galeeren nördlich von Deshak ab und nahm Kurs auf Cahir Sheveen. Ein fahles, grünes Leuchten ging von den Schiffen aus.
Die patrouillierenden Eissegler der Schattenelfen, bereits eine Invasion fürchtend, gaben sofort Warnsignale an die Eisinseln und die Vorposten auf den westlichen Inseln wurden besetzt. In aller Eile wurden die letzten Vorbereitungen getroffen, um die Verteidigungsstellungen bei Kaishizir, Triolan und der Westküste der Tanelinn-Hauptinsel zu besetzen.
Einige Eissegler versuchten mit großem Mut, die Flotte zu verlangsamen und die Galeeren in Scharmützel zu verwickeln, wobei ihnen ihre Geschwindigkeit und Wendigkeit zu Gute kam. Der Erfolg war allerdings begrenzt. Vier Schwarze Galeeren wurden versenkt, die Schattenelfen verloren dabei mehrere Eissegler und zwei weitere wurden manövrierunfähig. Die Schwarze Flotte ignorierte sowohl die eigenen Verluste als auch die leichte Beute der manövrierunfähigen Eissegler und hielt stoisch Kurs nach Osten, nördlich der Inselkette.

Bei der Landung der koltischen Armee auf der Tanelinn-Hauptinsel kam es zu heftigen Kämpfen. Mit Speerschleudern und Katapulten konnten vor der Küste zwei weitere Galeeren versenkt werden. Die Dienerkreaturen brachen ins Eis ein und ertranken, den Kolten jedoch machte das eiskalte Wasser nichts aus.

Die Verteidiger wußten, dass ihnen eine verlustreiche Schlacht bevorstand. Zu wenige Schattenelfen gab es, um einem solchen Angriff von fast 20.000 Angreifern stand zu halten. Erst recht, da sie ihre Kräfte auf verschiedene Inseln aufgeteilt hatten. Die Sklaven, die sie an ihrer Seite in den Kampf zwangen, würden von geringem Kampfwert sein.

Nachdem die Galeeren ihre Rümpfe in den Schnee der Insel gebohrt hatten, sprang als erste Welle eine wilde Horde von Schneetrollen von den Schiffen, die mit ungeheurer Kraft gegen die Verteidiger brandeten. An vielen Stellen durchbrachen sie die Verteidigungslinie. Doch durch den Einsatz massierter Magie wurden sie zurückgeworfen. Schattenelfenmagier brannten mit magischen Geschossen ganze Schneisen in die Kreaturenhorde. Es stank nach verbranntem Fleisch und die Luft war erfüllt vom Kampflärm und den Schreien der Getroffenen.
Die zweite Welle bildeten Mutanten, die sich in so großer Zahl auf die Schattenelfen und ihre Sklaven stürzten, dass die Angegriffenen zwar Mengen von Mutanten niederschnitten, aber durch die schiere Masse überrannt zu werden drohten. Doch auch diesem Angriff konnten die Schattenelfen mit Hilfe mächtiger magischer Artefakte begegnen, die Bündel von Energieblitzen schleuderten und Schutzwälle aus magischer Energie errichteten, die die Mutanten nicht durchdringen konnten. Dennoch waren die Verluste der Schattenelfen hoch und die Kampflinie war dünn geworden.
Dann kamen die Kolten selbst von den Schiffen. Um sie herum war das magische, grüne Leuchten. In gelassener Ruhe schritten sie von den Schiffen und Stille umgab sie. Nur einige hundert Kolten waren es, aber der Anblick der koltischen Kampflinie, die gemessen und scheinbar unaufhaltsam auf den Gegner zu marschierte, ließ den Mut der Verteidiger sinken.
Aber die Schattenelfen hatten das Geheimnis der undurchdringlichen koltischen Rüstungen gelüftet und Schwerter aus Taslynn geschmiedet, die diese Rüstungen durchdringen konnten. Nur waren es viel zu wenige Schwerter und viele ihrer Träger lagen bereits in ihrem Blut am Boden.

Dennoch hatten die Kolten wohl nicht mit solchem Widerstand gerechnet und der Hauch eines Zögerns lief durch ihre Reihen, als die ersten Kolten von mutigen Schattenelfenkriegern niedergestreckt wurden. An den Flanken durch ihre Energiewälle geschützt, ließen die Schattenelfenmagier einen Regen magischer Geschosse auf die Kolten nieder, dem weder ihre dämonische Natur noch ihre Rüstungen gewachsen war. Priester des Varkaz riefen die Wunder ihres Gottes herab und ließen die Gliedmaßen der Kolten zu unbrauchbaren Tentakeln mutieren. Die Schattenelfen schöpften Mut. Die Kolten waren nicht unbesiegbar. Ihre magische Überlegenheit und die Taslynnschwerter konnten den Sieg bringen. Doch im Augenblick der Hoffnung ging ein Schwanken durch den Fluß der magischen Energien. Die Kolten brachten auf einer Sänfte einen schädelgeschmückten Kessel herbei, der alle magischen Energien einzusaugen schien. Die Blitze wurden auf den Kessel umgelenkt und absorbiert. Die Energiewälle implodierten mit ohrenbetäubendem Knall und rissen alle in den Tod, die zu nahe gestanden hatten. Die Trolle und Mutanten strömten um die Flanken und in den Rücken der Verteidiger, wo die nun macht- und schutzlosen Kampfmagier der Schattenelfen ohne großen Aufwand erschlagen wurden, während die Kolten frontal auf die Schlachtreihe der Verteidiger eindrangen. Die Reihe schwankte und brach auseinander. Die letzten Schattenelfen wurden eingekreist und niedergemacht. Wenige entkamen.

Das koltische Heer marschierte daraufhin ohne Zögern auf Tanelinn. Sie wußten genau, wo sie die Stadt suchen sollten, obwohl diese gut verborgen in einer Felsspalte liegt.
Tanelinn jedoch war nahezu leer. Die Vorwarnzeit und die Verzögerung, die ihnen das schattenelfische Heer bei der Landung der Kolten an der Küste mit seinem Blut erkauft hatte, war ausreichend gewesen, um große Teile der Bevölkerung nach Osten und Süden zu bringen. Vor allem aber hatte der Cahirdan angeordnet, alle transportablen Artefakte und jeden Krümel unverarbeitetes Taslynn fortzuschaffen.
Daraufhin wurden die Taslynn-Minen geflutet. In der Kälte Cahir Sheveens gefror das Wasser in den Minen sofort und bildete in den Schächten eine viele hundert Meter tiefe Eisschicht. Die Minen waren auf lange Zeit unbrauchbar gemacht. Wenn Taslynn bisher bereits ein seltenes Gut war, dann wird es zukünftig unbezahlbar sein.

In letzter Sekunde konnten im Großen Tempel des Varkaz zu Tanelinn zwei koltische Schläfer enttarnt werden, denen es fast gelungen wäre, den dort aufbewahrten Schöpfungsfunken an sich zu bringen. Da die Schattenelfen Artefakte besitzen, um die Schläfer zu enttarnen, waren die Schläfer bis zur letzten Sekunde im verborgenen geblieben. Mehrere Varkazpriester starben, als die beiden koltischen Werkzeuge sich den Weg mit Gewalt freimachen wollten. Doch es gelang, die Schläfer zu überwältigen. Der Schöpfungsfunke wurde daraufhin ebenfalls auf schnellstem Wege nach Süden geschafft.

Die Kolten nahmen Tanelinn im Sturm. Doch sie fanden anscheinend nicht, wonach sie gesucht hatten. Aus Wut wurde jedes Lebewesen, das sich noch in der Stadt befand, auf bestialische Weise getötet und die ganze Stadt dem Erdboden gleich gemacht. Der große Tempel des Varkaz wurde so gründlich zerstört, das nichts mehr davon zeugt, dass er jemals existierte.

Es ist unklar, was genau die Kolten in Tanelinn suchten. Das Taslynn, den Schöpfungsfunken, die Schläfer-Artefakte oder den Cahirdan selbst, um endgültig den Widerstand der Schattenelfen zu brechen, die in der Forschung nach Waffen gegen Kolte weit fortgeschritten waren?

Das koltische Heer hat sich noch nicht aus Tanelinn heraus bewegt. Niemand weiß, was die nächsten Schritte sein werden. Die Hilfskräfte der Kolten, Trolle und Mutanten (wenn sie denn Nahrung brauchen), können jedenfalls nicht lange in Tanelinn überleben. Diese Hilfskräfte werden die Kolten aber brauchen, um die Taslynn-Minen wieder freizulegen.

Den Schattenelfen bleibt nun eine lange Flucht über die eisigen Öden ihrer unzähligen Inseln, die ihnen die Möglichkeit geben, sich auf lange Zeit vor den Kolten zu verbergen und einen Guerillia-Krieg zu beginnen.

Doch was geschieht mit Vuanaka?