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Neuigkeiten aus Helingard

Das Gras ist klamm, von Raureif bedeckt. Die ersten Sonnenstrahlen am ersten Tage des 6. Monates fallen durch die im üppigen Grün stehende Eichenkrone am Rande des Bachlaufes.

Jeden Morgen lässt sich der Hirtenjunge Sebastian von diesem Gefühl der Freiheit wecken. Ein schneller Blick auf die Herde lässt Sebastian sichergehen das keines der Schafe gerissen wurde oder sich beim Grasen in der weitläufigen Weidelandschaft der Orklande verirrt hatte. Seine Hündin „Jascha”, die treu und wachsam wie seit jeher neben ihm steht, hatte Sebastian wieder einmal die Last der letzten Wacht abgenommen.

Selten kommt es vor, dass etwas wirklich Gefährliches geschieht. Wölfe, Bären und wilde Hunde haben dem Schäferjungen schon lange nicht mehr den Schlaf gestohlen. Das letzte Schaf aus seiner Herde, welches ihm genommen wurde, lag ausgeweidet und enthäutet einige hundert Meter vom Rest der Herde, entfernt am Rande des Waldes. Das Fell fehlte mitsamt Kopf; die fleischigen Hinterkeulen waren fort, nur der offene Rumpf und die Gedärme lagen noch dort. Es sah nicht aus, als wäre die Aue gerissen worden. Es schien die Tat eines Jägers oder Wilderers gewesen zu sein.

Nicht ohne Grund jedoch sagte man Sebastian jedes Mal, wenn er die Stallungen seines Dorfes an der Südgrenze Helingards verließ und sich auf den Weg zum Weideland in die Orklande machte, er solle sich hüten und die Wälder meiden. Nicht nur lästige Goblins, sondern auch Orks, Trolle und Oger würden dort auf ihn lauern.

Sebastian nickte wieder einmal freundlich, als er sich mit seiner Herde und seiner schwarzen Hündin aufmachen wollte, das frischeste Grün für seine Tiere zu finden. ´´Ja, Großvater! Ich werde mich von den Wäldern fern halten, die Tranktasche die du mir gabst, habe ich um die Hüfte geschnallt und mein Hirtenstab und Jascha werden mir beistehen, wenn es hart auf hart kommt. „Wir sehen uns Großvater” sagte er, warf sich seinen Proviantrucksack auf den Rücken und begann seine Schafe und Lämmer Richtung Nordtor zu treiben.

Vier lange Stunden, sonst hatte er höchstens 3 gebraucht, um die Weidegründe zu erreichen. Die Lämmer, die durch ihr fröhliches Herumtollen und Spielen immer wieder Unruhe in die Herde brachten, ließen Jascha keinen Moment des Verschnaufens. 40 Alttiere und 35 Lämmer..., er allein würde mit nur einem Hund kaum noch die Möglichkeit haben die Herde zusammen zu Treiben. Ein zweiter Hund wäre schön, ein guter Hund muss aber auch erst einmal gefunden sein. Köter und Kläffer gibt es an jeder Ecke, doch nicht jeder Hund hat auch das Zeug zu einem Hirtenhund.

Gerade hatte Sebastian sich an seiner Eiche, welche ihn vor Wind und Wetter schütze, niedergelassen, als Jascha anschlug, sie knurrte lang und bellte dann wieder kurz. Seinen Stab hatte Sebastian an den mächtigen Eichenstamm gelehnt, schnell griff er ihn und lief zu Jascha herüber.

Er sah nicht warum sie so aufgewühlt war, nichts Auffälliges war zu sehen. Weit lag die grüne Auenlandschaft Sebastian zu Füssen, nur von Bäumen und Büschen gebrochen. Er könnte den Waldrand in der Ferne sehen, aber er hatte nicht vor den Wald zu betreten.

Regentropfen fielen plötzlich vom noch blauen, fast unbewölkten Himmel. Erst als die Sonne hinter einer grauen Wolke verschwand, konnte Sebastian etwas erkennen. Rauch! Dicke Rauchschwaden, vom Regen geschürt, stiegen aus dem Wald empor. Der Himmel wurde dunkler.

Jascha bellte lauter und länger. Als der Schäfer sein treues Tier beruhigen wollte und sich zu ihr herunter hockte, lief Jascha los, dem Wald entgegen. „Jascha, nein komm zurück, nicht in den Wald, Jascha hör doch.....” Die Hündin blieb stehen, drehte sich zu Sebastian um, um dann noch überzeugter weiter in Richtung Rauch zu laufen. Sebastian hatte keine Wahl, er konnte sie nicht alleine lassen, nicht so nah an den Wäldern. Er legte sich die Tranktasche wieder um, die er im Rucksack verstaut hatte, warf sich den Rucksack auf den Buckel und rannte mit dem vorgehaltenen Stab seiner Hirtenhündin hinterher...

Hinter einem Gürtel von hohem Farn wartete Jascha bereits in tiefer Kauerstellung auf Sebastian. Ein Blick durch die dichte Krautschicht des Waldes ließ Sebastian fast den Atem stocken. Im Halbdunkel des Unwetters sah er wie ein gewaltiger Krater tief in den Waldboden geschlagen den dunklen Rauch spuckte.

Rings um den Krater herum standen Kreaturen, die sein Auge nie zuvor erblickt hatte. Ob es Trolle und Oger sein könnten, konnte Sebastian nicht sagen. Zwei Personen von imposanter Gestalt, schwarz gewandet, mit Helmen die ihre Gesichter verhüllten und wie mächtige Kronen über die Köpfe emporragten, mit einem leuchtenden Stein auf der Stirn geschmückt, stiegen aus dem Krater empor. Ihnen folgten vier gewaltige Wesen, welche die beiden ersten in Höhe und Breite weit überragten. Sie liefen gebückt, nahezu bucklig, doch das minderte ihre Erscheinung keineswegs. Ihre Arme liefen mehr in Waffen über, als in Hände. Sebastian wagte es nicht sich zu regen, auch Jascha gab keinen Laut mehr von sich. Plötzlich trat ein Mann aus dem Rauch hervor, mit sechs schwer gerüsteten Wachen, Helingarder von normaler menschlicher Statur. Die schwarzen Wesen begannen das Gespräch mit den Worten:

„Malagash mit dir, Tyrbold der Rote! Was kannst du aufweisen? Was hast du für den Krieg deines Herrn dieses mal beizusteuern?”

Ihre Worte klangen blechern, mit einem fürchterlichen Brummen unterlegt. Der rot-blonde Helingarder sprach eine klare menschliche Sprache, etwas rau, aber menschlich.

„Ich habe 8000 Orks Trolle und Oger in Rüstung und unter Waffen für die Front in Anguir rekrutiert. Wir hindern weiterhin alle Schiffe Helingards und Anguirs daran das Nordmeer zu befahren. Ich werde jetzt beginnen ein Heer zu sammeln und den Vormarsch in den Süden in die Wege zu leiten. Ich selbst werde den Feldzug jedoch nicht leiten, das sollte Kolte tun oder ihr schickt Khan Rabush-Mattock. Die Orkstämme folgen ihm. Er ist der größte Kriegsfürst der Orklande und er hat Malagash Treue geschworen.”

Die Schwarzen Gestalten nickten überzeugt:

„Hervorragend Tyrbold, du hast uns nicht enttäuscht, hier nimm diesen Schild zu deinem Schutz, setze ihn mit Bedacht ein, er ist mächtig. Kolte setzt viel auf dich, an deinem Arm für den Krieg des Herrn wird......., was war das?”

„Verdammt...”

„Lauf, Jascha, lauf...”

Auf allen Vieren, an Armen und Beinen blutend, erreichte Sebastian sein Dorf:

„Großvater, Großvater, ... Ich hoffe nur, dass sie mir nicht bis nach Helingard gefolgt sind.”