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Schläfer

Ein aklonischer Bauer berichtet leicht angetrunken in einer Taverne nahe Ruma:

Ich schwöre es dir. Bei Ultors Eiern ich habe es gesehen, doch ich greife vor ... lass es mich dir von Anfang an berichten:

Vor nicht einmal einem vollen Mond kamen ein gutes Dutzend Ultorianer in unser Dorf. So richtige in weißen Gewändern und sie waren nicht auf der Durchreise, sondern wollten zu uns. Wir dachten uns noch nichts dabei, als sie den Dorfobmann zu einem „speziellen” Gespräch in seinem Heim baten. Es gab schon immer Gerüchte über ihn und das Treiben mit der einen oder anderen Dienstmagd und mehr als einmal hat er die alte Rebecca, unsere Kräuterfrau, nachts auf seinen Hof gebeten. Wir wussten alle, dass ihre Fähigkeiten als Engelmacherin gebraucht wurden.

Ein wenig Sühne für seine Sünden um Fardeas Rad wären angebracht. Doch sie ließen ihn über Stunden und Stunden nicht wieder gehen. Sie schickten alle hinaus, inklusive seiner Frau und mitten in der Nacht begannen seine Schreie über die Felder zu hallen. Seine Frau und seine Knechte begannen zu weinen und wir mussten Rupert zurückhalten nicht zum Hof zurück zu laufen, um seinem Herrn zu helfen.

Seine Frau murmelte etwas davon, dass er in Ruma einige besondere Geschäfte gemacht hätte und er ihr noch stolz davon berichtete, welchen Gewinn er einfahren würde. Das er seinen Thomas sogar auf die Schule geben würde und sie klagte so sehr…

Irgendwann am Morgen war es vorüber und sie führten ihn auf den Dorfplatz, wo sie begonnen hatten Holz aufzuschichten. Er war furchtbar zerschlagen und sie hatten ihn in schwere Eisen gelegt. Er wimmerte und schrie als er ihre Absicht erkannte und wir alle verbürgten uns für ihn, doch sie wollten nichts hören.

Sie banden ihn an einen Pfahl inmitten des Haufens und zwangen einige Knechte Teer auf das Holz zu geben, dann sprachen sie heilige Worte und entzündeten den Haufen.

Diesen Anblick werde ich mein Leben lang nicht vergessen. Ich hoffe er erstickte, bevor die Flammen ihn erreichten. Doch was mich am meisten schockierte ist etwas, dass ich mit keinem in meinem eigenen Dorf zu teilen wagte… als er schon aufgehört hatte zu schreien sah ich etwas auf seiner Schulter hocken. Eine Kreatur, ich kann es nicht anders beschreiben…sie hockte auf ihm, klammerte sich an ihn und ich gebe dir mein Wort, dass sie mich aus den Flammen heraus anstarrte und ihre Augen glühten während sie verging.

Aklon-Stadt

Unglaubliches Entsetzen und Fassungslosigkeit durchläuft das Land wie eine riesige Welle und lässt eine nie gekannte Trauer bei den Menschen zurück, seitdem König Warnulf Torwendil heute morgen den gewaltsamen Tod seiner geliebten Frau Gudrun bekannt geben musste.

König Warnulf wirkte eingefallen und gealtert, als er mit ruhiger Stimme in einer öffentlichen Erklärung auf dem Balkon seines Palastes in Aklon-Stadt die dramatischen Geschehnisse des vorherigen Abends erläuterte.

Die Königin sei mit ihrem Gefolge zum allabendlichen Besuch der Messe aufgebrochen, während er selbst noch mit seinem Beraterstab die aktuelle Weltpolitik erörterte. Wie immer hat die Leibwache Ihrer Majestät die Monarchin und ihre Damen auf diesem Weg begleitet. Frau Gudrun hat nach Beendigung der Messe allein an ihrem privaten Altar Einkehr gehalten, als die 18jährige Hofdame Beata von Steinbrenner einen Dolch aus ihrem Ärmel zog, auf die Königin zustürzte und mit dem Ausruf „für Malagash” die Herrscherin mit zwei Stichen von hinten erstach. Danach lies sie sich widerstandslos abführen.

Als Patenkind der Königin kam Beata von Steinbrenner nach dem Tod ihrer Eltern mit 16 an den Hof in Aklon Stadt und wurde zu einer engen Vertrauten der Königin, sie war in die Betreuung der Prinzen und Prinzessinen ebenso eingebunden wie in die Wohltätigkeitsarbeit der Monarchin.

Nach der Tat wurde Fräulein von Steinbrenner von der Inquisition vernommen und nach kurzem Prozess hingerichtet. Die Indizien sprechen dafür, das die Hofdame von einem Schläferdämon besessen war.

Das Land verliert mit Königin Gudrun Torwendil die beliebteste Königin seid Menschengedenken.

Den Kindern des Königspaares wurde die Nachricht vom Vater persönlich mitgeteilt, sie stehen derzeit unter besonderer Aufsicht durch die Ammen und die Leibwache des Hofes.

König Warnulf bat die Bürger seines Landes mit ihm gemeinsam für die Seele von Königin Gudrun zu beten und schwor Rache für diese verabscheuungswürdige Tat.

Akloner Presse Agentur,
Aklon-Stadt, 01.12.5024