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Splitter

Wahrheit oder Mär − Ein unglaublicher Bericht

Liebe Leser, die Stimme des Herolds arbeitet mit allen erdenklichen Mitteln, um zeitnah, sachgerecht und interessant über die Geschehnisse rund um unsere schöne Stadt zu berichten. Doch auch wir geraten an unsere Grenzen, manchmal. Unsere, wir betonen höchst vertrauenswürdigen Quellen, und nur deshalb berichten wir überhaupt davon, haben uns einen Brief zugespielt. Die Umstände, wie der Brief zu uns gelangte, müssen selbstverständlich verschwiegen bleiben, umso sensationeller ist jedoch der Inhalt. Es handelt sich um einen Erlebnisbericht von der Front, direkt aus der Feder eines Schreibers, der höchstpersönlich beim finalen Kampf zur Rettung unserer Welt vor den Heerscharen des Chaos zugegen gewesen sein will. Unbestätigten Gerüchten zufolge befindet sich der Verfasser auf dem Rückweg in unsere Stadt.

Es gibt keinerlei Bestätigung für den Inhalt, und dennoch ist er so sensationell, dass wir ihn unseren Lesern nicht vorenthalten möchten. Sollte diese Geschichte wahr sein, ist es unglaublich, was sie zu berichten weiß. Ist sich nur ein Gespinst eines Märchenerzählers, ist sie eine der unterhaltsamsten Geschichten, die wir je abgedruckt haben. Hier also für unsere Leser, ohne jeglichen journalistischen Anspruch, möglicherweise echt, die ungekürzte Botschaft:

Ihr wollt wissen, was sich zugetragen hat in den Sümpfen Sheldirias? Nun, ich will es euch erzählen, nicht viel, war es doch nur ein kurzer Moment. Unter gewaltigen Verlusten durchbrachen wir die Reihen der Kolten, welche das Land belagerten. Tagelang marschierten wir durch die unwegsame Heimatwelt der Draxe, dem Zentrum entgegen, die Kriegstrommeln der Chaosanhänger zu jeder Zeit im Rücken. Immer wieder überfielen Verbände von Mutanten unser letztes Aufgebot gegen Kolte, stets mit dem Ziel, unser Vorankommen zu verlangsamen.

Mit den Angreifern kamen gewaltige, aufrecht laufende Echsen, mit messerscharfen Klauen und Zähnen, auch sie verlangten uns einen hohen Blutzoll ab. Lasst Euch warnen: in den Sümpfen verliert man als Fremder schnell das Gefühl dafür, wie viel Weg noch vor einem liegen mag und wo das Ziel zu finden ist. Unser Heerzug war bereits auf die halbe Zahl dezimiert, als die Streitkraft aus Koltendämonen uns einholte und uns zu unserer letzten großen Schlacht anhielt. Die Hügel, zu deren Füßen sich dieser Kampf abspielte, waren gleichzeitig das Ziel unserer Reise. Der Bewahrer erwartete unsere Ankunft, und forderte den Schöpfungsfunken, um das Werk zu vollenden. Doch wir aber verweigerten die Herausgabe, wie sie es schafften ihn dennoch in ihre Gewalt zu bringen, kann ich nicht berichten, wohl aber was danach geschah.

Es kam, wie es kommen musste: Dieses seltsame Wesen war niemals unser Verbündeter. Seine Nihilwächter leiteten das Ende dieser Welt ein, ohne dass wir etwas dagegen hätten tun können. Diese unsere schöne Welt, dem Untergang geweiht. Die Kolten, deren Ziel mit der Weltvernichtung hinfällig war, verließen uns, wie auch die Bewahrer entschwanden. Wir blieben zurück, scheinbar allein, doch wie sich herausstellt, waren wir es nicht. Es erschien ein Wesen, der Webmeister genannt, seines Zeichens der verbannte Gemahl der Feenkönigin. er offenbarte uns eine letzte Möglichkeit, wie unsere Welt doch noch zu retten sei. Wir zögerten nicht lange und bald darauf verließen wir die Ebenen Sheldirias mit Hilfe eines Artefaktes und ob ihr es glaubt oder nicht, wir setzten auf magischem Wege in nur wenigen Augenblicken über nach Anguir.

An diesem Ort lebte ein rätselhafter Uhrenmacher, zurückgezogen auf einer Burg. Er allein, so der Webmeister, konnte uns noch weiterhelfen, uns helfen, in jenes Land zu gelangen, in dem die lichten und die dunklen Feen leben, die Seelies und die Unseelies. Das war einfacher gesagt als getan, die Burg war belagert von den Kolten selbst und ihren Mutanten, ganz so, als wüssten auch sie von dieser Möglichkeit. Obschon sie zahlreich waren, erschlugen wir alle und drangen in das Innere der Burg vor, um tatsächlich den Uhrenmacher dort vorzufinden. Er war bereit zu helfen und mit Hilfe einer magischen Maschine, versetzte er uns mitsamt der Burg, in deren Mauern sich jener Apparat befand, in die ferne Feenwelt.

Unsere Aufgabe bestand darin, die Smaragdtafel der Feenwelt zusammen zu bauen. Auf diesem Weg sollten wir die Macht erhalten, nicht nur diese, sondern auch alle anderen Welten zu retten, nach denen die dunkle Bedrohung ihre Hände gestreckt hat. Ihr müsst wissen, dass die Zeit in der Feenwelt gänzlich anders verläuft, als in der unseren. Während die Vernichtung unserer Welt wohl nur wenige Stunden gebraucht hätte, vergingen in der gleichen Zeit in der Feenwelt ganze Tage oder sogar Wochen, was uns ein kleines Zeitfenster verschaffte.

Am edlen Hofe der Feenkönigin besprachen wir unser Vorhaben und auch hier gelang es uns ein weiteres Mal, Hilfe zu erhalten. Ein Todesfluch vereitelte unerwartet jede weitere Möglichkeit der Zusammenarbeit, denn die Feenkönigin versank in einen totenähnlichen Schlaf, welcher ihr nach und nach die Lebenskraft raubte. Eine weitere Aufgabe wartete auf uns, wollten wir je wieder zurück in unsere eigene Welt, mussten wir sie von diesem Fluch erlösen.

So lebten wir über mehrere Tage zwischen den Seelies, Unseelies und allerlei anderen, sonderbaren Märchenwesen. Um den bösen Zauber zu brechen, benötigten wir die Tränen eines Drachen, allerlei andere Ingredienzien, sowie mehrere Schlüssel um an den benötigten Smaragdtafelsplitter zu gelangen. Ein jeder Schlüssel war verborgen unter dem Schutz eines Märchenrätsels. So wies uns ein Buch zu verschiedenen Orten und dank vieler helfender Hände, vermochten wir sowohl die Intrigen am Hofe abzuwenden, als auch die Königin zu erwecken und den Splitter zu erhalten.

Ich möchte an dieser Stelle nicht auf weitere Einzelheiten eingehen. Doch auch die Kolten, welche offensichtlich unseren Plan kannten, hatten ihrerseits ein Tor in die Feenwelt geöffnet. Gerade als wir uns aufmachten, mit dem Splitter die Smaragdtafel zu vereinen, waren sie schon dort und schirmten den Ort ab. Entschlossen warfen wir uns ihnen entgegen und erschlugen jeden Einzelnen, so, dass wir die Tafel vervollständigen konnten. Erneut erschien uns der Webmeister, und schilderte uns den Weg, wie wir alle Welten retten könnten. Mit der Macht der wiederhergestellten Tafel wurden wir ein Teil ihrer selbst und betraten auf diese Weise eine weitere Ebene in ihr, eine Vielzahl gefangener Sphären. In jeder dieser Sphären waren die Welten und Seelen von unzähligen Lebewesen eingesperrt, es waren gewiss ein ganzes Dutzend solcher Sphärengebilde dort, und um sie zu befreien, mussten wir die Verbindung zwischen ihnen und der Ebene zertrennen. Die Heerscharen des Namenlosen fielen über uns her und nur mit größten Anstrengungen vermochten wir, sie niederzukämpfen.

Die Smaragdtafelebene gab uns nicht viel Zeit für diese Aufgabe und uns selbst konnten wir nur dann retten, wenn man mit einer der befreiten Sphären entschwand. So wurden wir immer weniger, doch vermochten wir wenigen verbleibenden auch die letzten Sphären befreien und retteten uns derart zurück in die Feenwelt. Unsere Verluste waren in Anbetracht der großen Bedrohung erfreulich gering, bedauerlicherweise wurden im Verlauf der Weltenrettungen auch zwei Sphären vernichtet. Dies wiegt besonders schlimm, weil dieses Verschulden auf unsere Bemühungen zurückzuführen ist. Die Schuldigen wurden selbst in einer gewaltigen Explosion zerrissen, als sie mit den Sphären auch die milliarden von Leben in ihnen auf einen Schlag auslöschten.

Das Ende ist nun schnell erzählt, zusammen mit der letzten freien Sphäre entstiegen wir der Smaragdtafel und fanden uns gemeinsam mit den anderen Überlebenden wieder im Feenreich ein. Die Feenkönigin gab uns die Mittel, um den Weg in die eigene Welt anzutreten und da unsere Welt sich nicht unter denen befand, die versehentlich vernichtet wurden, konnten wir alle wieder zurück kehren. Es klingt unglaublich, aber so hat es sich zugetragen.